Filmkritik: Cherry 2000

Regie: Steve De Jarnatt
Drehbuch: Lloyd Fonvielle, Michael Almereyda
Schauspieler: Melanie Griffith, David Andrews, Tim Thomerson, Pamela Gidley, Lawrence Fishburne, Brion James
Musik: Basil Poledouris
Kamera: Jacques Haitkin
Land: USA
Budget: 10 Mio. $
Start: 17.11.1988

Stellen Sie sich vor, Sie wären der Chef eines Hollywoodstudios und säßen in Ihrem schönen Büro mit Blick auf den Sunset Boulevard. Plötzlich steht ein Produzent mit seinem Drehbuchautor vor Ihnen und präsentiert seine Idee für einen neuen Film, den Sie finanzieren sollen.
Er sagt: »Der Film spielt im Jahr 2017. Männer heiraten nicht mehr, sondern halten sich Sexroboter. Die Hauptfigur, Sam (Andrews), treibt es mit seinem Roboter des Modells Cherry 2000 auf dem Küchenboden, als plötzlich die Spüle überschwappt und den Roboter per Kurzschluss zerstört. Sam ist so unglücklich, dass er sich auf die Suche nach demselben Robotermodell macht. Das gibt es aber nur noch irgendwo draußen in der Wüste, genauer gesagt, in der gesetzlosen Zone. Als Führerin engagiert er die furchtlose Edith (Griffith), die ihm unter Lebensgefahr hilft, einen passenden Sexroboter zu finden.«
Sie sagen: »Ah, eine Satire auf »Mad Max«!«
Er sagt: »Nein, nein! Das ist völlig ernst gemeint!«
Sie fragen: »Und was soll das kosten?«
Er sagt: »Zehn Millionen Dollar. Ich habe mir einen tollen Stunt mit einem Kran am Hoover-Damm einfallen lassen!«
Ich weiß nicht, wie Sie reagiert hätten, aber ich wäre aufgestanden, wortlos zum Safe gegangen, hätte die zehn Millionen Dollar genommen und wäre damit nach Las Vegas geflogen, um mir eine schöne Zeit zu machen.
Ganz offensichtlich hat aber Mitte der Achtziger ein Produzent tatsächlich das Geld für diese absurde Geschichte lockergemacht. So entstand dieses Machwerk, das im Rahmen von Oliver Kalkofes Reihe der schlechtesten Filme aller Zeiten zum allerschlechtesten Film aller Zeiten gekürt wurde.
Man sieht die Anleihen bei »Mad Max«, aber statt cooler zusammengeschraubter und getunter Karren im australischen Outback haben hier ein paar Strandbuggys in der Wüste Nevadas reichen müssen. Die Dialoge sind so absurd wie die Handlung und die Actionszenen bewegen sich durchgehend auf TV-Niveau. Wo die zehn Millionen geblieben sind? Ich habe keine Ahnung. Die Einnahmen betrugen jedenfalls gerade mal 14.000 Dollar. Selbst der absolut talentierte Filmkomponist Basil Poledouris nervt hier mit den üblichen Achtzigerjahre-Drummachines. Bereits 1985 gedreht, schaffte es der Streifen auch erst 1988 als Videokassette in die Läden.
Als Meisterwerk des schlechten Geschmacks unter Zuhilfenahme von viel Alkohol durchaus sehenswert.

Der Film bei Amazon:

Aus dem Buch  115 Jahre Science-Fiction im Kino – 250 Filme von 1902 bis 2016 von Phillip P. Peterson (erscheint im Frühjahr 2017)

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