Filmkritik: Star Wars: The Last Jedi

Regie: Rian Johnson
Drehbuch: Rian Johnson
Schauspieler: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Adam Driver, Carrie Fisher, Mark Hamill, Andy Serkis, Domhnall Gleeson
Musik: John Williams
Kamera: Steve Yedlin
Land: USA
Budget: 200 Mio. $
Kinostart: 15.12.2017

An den neuen Star-Wars-Film hatte ich hohe Erwartungen. Zum einen hatte man nach dem Aufgreifen der ursprünglichen Trilogie mit »Das Erwachen der Macht« den Pflichtteil des Reboots absolviert, was  nun den Produzenten die Möglichkeit bot, neue Wege zu gehen. Zum anderen hatte Regisseur Rian Johnson vormals den Film »Looper« inszeniert, der mir sehr gut gefallen hat, weil er eine unkonventionelle Geschichte auf unkonventionelle Weise erzählt. Auch freute ich mich auf das Wiedersehen mit Mark »Skywalker« Hamill.

Der letzte Punkt hält, was er versprochen hat. Der sichtbar gealterte Jedi hält sich nun für den letzten seiner Art und hat sich auf eine Insel zurückgezogen, um dort auf seinen Tod zu warten. Doch mit der Ruhe ist es bekanntermaßen vorbei, nachdem Widerstandskämpferin Rey (Ridley) dort aufkreuzt, um sich in die Künste der Jedi einweisen zu lassen. Hamill ist den ganzen Film über sehr präsent, hat sichtbar Spaß an seiner Rolle und liefert bis zuletzt eine Glanzleistung ab. Ihm alleine ist es zu verdanken, dass ich Spaß an dem Film hatte.

Doch leider, leider hat »Die letzten Jedi« einige gravierende Probleme, die das Vergnügen deutlich schmälern. Ich möchte bei meiner Kritik nicht zu sehr auf die Handlung innerhalb des „Star Wars“-Kosmos eingehen, was ich lieber den Hardcore-Fans überlasse, sondern beurteile ihn als einfacher Kinogänger, der sich mit einem guten Film amüsieren möchte.

Die Produktionswerte stimmen. Die Effekte, Kulissen und der ganze Kram sind erstklassig. Aber im Ernst – das erwarte ich von einer 200-Millionen-Dollar Produktion auch! Was im Zeitalter der Bombastproduktionen nun immer wesentlicher wird, ist das Drehbuch und dann sind wir auch schon am Kern des Problems angelangt, denn die ganze Geschichte ist an Schwachsinn kaum zu überbieten. Logiklöcher in der Größe ganzer Galaxien kombinieren sich mit abstrusen Handlungswendungen und übertriebenen »comical reliefs« zu einem Schmarrn von kaiserlichen Proportionen.

Die ganze Handlung wirkt wie mit der heißen Nadel zusammengestrickt und verbindet Versatzstücke aus »Star Trek«, »Battlestar Galactica« und den alten »Star Wars«-Filmen zu einem willkürlichen Space-Opera-Brei. Selbst Elemente, die aus einem »James Bond«-Film geklaut scheinen, findet man in einer völlig überflüssigen Handlungsebene, die dem Film wie eine eiternde Beule aufgedrückt wird. Unzählige male werden kritische Situationen auf eine derart dämliche Weise aufgelöst, dass man seinen Colabecher gegen die Leinwand schleudern möchte. Leias »Auferstehung« im Vakuum des Weltalls nach einer Explosionsszene gehört sicher in die Top Ten der peinlichsten Auflösungen in der Filmgeschichte überhaupt (man möge mir den kleinen Spoiler verzeihen). Auch viele Dialoge bewegen sich hart an der Grenze des unfreiwillig komischen.

Nicht sonderlich gut gelungen sind auch die Charakterisierungen der Hauptfiguren. Rey ist eine besserwisserische Göre, Poe ein arroganter Schnösel, dem jede Größe eines Han Solo abgeht, Finn ist einfach nur farblos und Kylo Ren als Bösewicht eine Lachnummer. Von meiner Seite aus haben die Figuren wenig, was mich zum Mitfiebern veranlasst. Und das ist schade, denn alle von denen sind über jeden Zweifel erhabene Top-Schauspieler. Aber was nützt das, wenn das Drehbuch Mist ist. Bedauerlich finde ich auch das Ende, das dem dritten Teil der Trilogie eine tolle Möglichkeit verbaut.

Als Popcornkino erfüllt es sicher seinen Zweck und dank Mark Hamill kommt auch das »Star-Wars-Feeling« wieder auf. Daneben gibt es einige visuell interessante Szenen und ein nettes Lichtschwertduell. Aber insgesamt bleiben die letzten Jedi leider sehr weit hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Weitere Filmrezensionen? – siehe hier

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