Filmkritik: Zardoz

Regie: John Boorman
Drehbuch: John Boorman
Schauspieler: Sean Connery, Charlotte Rampling, Sara Kestelman
Musik: David Munrow
Kamera: Geoffrey Unsworth
Land: IRL, USA
Budget: 1,57 Mio. $
Start: 6.2.1974

»Zardoz« ist wohl einer der bizarrsten und unverdaulichsten Science-Fiction-Filme, die je gedreht wurden. Die einen halten ihn für einen großen Haufen Müll, während die anderen ihn als geniales Meisterwerk loben. Die Wahrheit liegt – wie so oft – irgendwo dazwischen. Meiner Meinung nach ist er beides.

In der Zukunft gibt es die unsterblichen »Ewigen« und die »Brutalen«. Letztere sind primitive Wildlinge, die im Austausch gegen Waffen Nahrung anbauen und den Unsterblichen zur Verfügung stellen, die sie für Götter halten. Gesammelt wird das Getreide von einem fliegenden Steinkopf (!) der seine Weisheiten unter den Angehörigen des Naturvolks verbreitet. Dem Wilden Zed (Connery) gelingt es, sich in dem Steinkopf zu verstecken und in den Vortex zu gelangen, wo die Unsterblichen wohnen. Die scheinen ein sorgenfreies Dasein zu genießen, sind aber nach Äonen auf der Erde unendlich gelangweilt und sehnen sich nach dem Tod.
Viele interessante Aspekte und Konsequenzen eines ewigen Lebens werden im Film thematisiert und mit spannenden Ideen garniert. So bestraft man rebellische Unsterbliche mit einem biologischen Alterungsprozess, sodass sie schlimmstenfalls als senile Greise die Ewigkeit verbringen müssen.
Auf der anderen Seite strotzt der Film vor überfrachteter, sexualisierter Symbolik, und peinliche Momente reihen sich in einer unendlichen Kette aneinander. Schon die Sets und Klamotten lassen den Zuschauer am Verstand der Macher zweifeln, während man bei den sinnfreien Dialogen oftmals die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Ich meine, was will man von einem Film erwarten, der mit den Worten »Die Waffe ist gut! Der Penis ist schlecht!« in die Handlung einsteigt.
Was den großartigen Sean Connery bewogen hat, in einer Tracht, die an die Badehose von Borat erinnert, in diesem Film mitzuspielen, darüber kann man nur spekulieren.
Regisseur Boorman war durch seinen harten Überlebenskampf »Beim Sterben ist jeder der Erste« berühmt geworden und sollte anschließend Tolkiens »Herr der Ringe« verfilmen. Das Studio machte wegen der hohen Kosten einen Rückzieher und Boorman widmete sich dann mit einem Minimalbudget diesem Film, den er als Herzensprojekt bezeichnete.
Wer auf ungewöhnliche Filme mit ungewöhnlichen Ideen steht und dem eine verschwurbelte, bemüht intellektuelle Handlung nichts ausmacht, der kann es mit »Zardoz« gern mal probieren. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Ich selbst zähle mich eher zur letzteren Gruppe.

„Zardoz“ bei Amazon:

Aus dem Buch 115 Jahre Science-Fiction im Kino – 250 Filme von 1902 bis 2016 von Phillip P. Peterson (erscheint im Frühjahr 2017)

 

Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.