Warum es einen Unterschied macht, ob man Science-Fiction mit „SF“ oder „sci-fi“ abkürzt

Viele Fans, Leser, Kinogänger, aber auch Blogger, Journalisten, Autoren und Buchhändler kürzen Science-Fiction sowohl mit „SF“ als auch mit „sci-fi“ ab. Beide Abkürzungen werden oft als gleichberechtigt wahrgenommen und manche Menschen nutzen mal die eine und dann die andere Variante. Dabei gibt es zwischen beiden einen Unterschied in der Verwendung und den sollte man kennen, wenn man sich nicht als Unwissender outen will. Gerade im anglo-amerikanischen Sprachraum können Sie sich sehr unbeliebt machen, wenn Sie einen bekannten Science-Fiction-Autor als „sci-fi“-author anreden.

Die Bezeichnung „Science-Fiction“ taucht laut einem Blogbericht des amerikanischen Buchhändlers Barnes&Nobles zum ersten mal im Jahre 1851 auf. Und wahrscheinlich gab es auch seit diesem Jahr die Bemühungen, das etwas sperrige Wort doch irgendwie abzukürzen. Spätestens seit dem frühen zwanzigsten Jahrhundert hat sich die Abkürzung SF eingebürgert, was allerdings leider auch die offizielle Abkürzung von San Francisco ist. Und doch wurde diese Abkürzung als Standard von den Großen des Genres genutzt, seien es Phillip K. Dick oder Isaac Asimov.

Dann schlug der legendäre Fan, Agent, Autor und Verleger Forrest J. Ackerman im Jahre 1950 analog zu dem hippen „hi-fi“ die Abkürzung „sci-fi“ vor. Während die etablierten Fans und Autoren beim bewährten SF blieben, wurde die neue Abkürzung „sci-fi“ eher von Journalisten und Kritikern benutzt, die sich über die Science-Fiction lustig machten und sie als reines Trivialgenre betrachteten.

Als Folge wurde von der Science-Fiction-Gemeinde die Abkürzung SF für gute, anspruchvolle und hochwertige Werke – egal ob Buch oder Film – und die Abkürzung „sci-fi“ eher für die damalige Flut an B-Movies und Trivialliteratur genutzt. In den siebziger Jahren ging das dann so weit, dass Kritiker des Genres die Abkürzung nicht mehr wie „hei-fei“, sondern absichtlich falsch wie „skiffy“ aussprachen, um ihre Missachtung von besonders schlechten Werken auszudrücken. Bei wahren Science-Fiction-Fans galt die Nutzung der Abkürzung „sci-fi“ darum als verpönt und wer sie benutzte, galt sofort als Außenseiter.

Nach einem Generationenwechsel ist dieser Unterschied der Abkürzungen nicht mehr so gravierend, da sogar Buchhandlungen aus Unwissenheit inzwischen die ehemals noch unpopuläre Abkürzung „SciFi“ auf ihre Regale schreiben. Viele jüngere Science-Fiction-Fans kennen die unterschiedliche Nutzung gar nicht und reagieren völlig überrascht, wenn man als Autor darauf hinweist, dass die Abkürzung „sci-fi“ einen negativen, ja für einen Autor sogar absichtlich beleidigenden Kontext hat oder zumindest vor kurzer Zeit noch hatte. Vielen in der alten Generation ist die unterschiedliche Verwendung allerdings noch geläufig und es gibt sicher noch einige ältere Autoren, die sich angegriffen fühlen, wenn ein Fan zu ihnen sagt, sie würden „sci-fi“ schreiben.

Egal, ob man nun SF oder sci-fi liest oder guckt, als echter Fan sollte man wissen, daß es mal einen Unterschied gemacht hat, ob man die Abkürzung „SF“ oder „sci-fi“ nutzte. Und das ist noch gar nicht so lange her. Ich selbst benutze aus Respekt für das Genre immer die Abkürzung SF.

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5 Kommentare

  1. Endlich mal ein Autor, der dies genauso empfindet wie auch ich. Ich habe es schon aufgegeben, meine Buchhändler von dem ScFi-Begriff abzubrigen. Wenn man das in Verbindung von seichten Filmen ála Star Wars bringt, findes ich das in Ordnung, aber Autoren wie Baxter, Reynolds, Dan Simmons oder dich damit zu verbinden, dies fand ich auch immer respektlos.

  2. Letztendlich sind es beides Abkürzungen für die gleiche Sache, und irgendwie gibt es auch noch einen wahren Wortsinn, unabhängig in welchem Kontext das mal irgendwann irgendjemand benutzt hat. Eine Abkürzungsvariante mit einem gut/schlecht Wert zu belegen ist eigentlich auch nur unnötiges Framing. Und Sprachpolizei haben wir eigentlich auch schon genug. Und wer da unbedingt unterscheiden will zwischen Anspruch und Trash, der kann ja versuchen das aus jeweiligen Artikel zu verstehen. Oder noch besser: sich ein eigenes Bild des entsprechenden Werkes machen und sich nicht sagen lassen, was man toll finden soll/darf. ;)

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