Titanic (1997)

Titanic – Letzte Woche hatte ich eine sehr gute Biographie über James Cameron gelesen (“The Futurist: The Life and Films of James Cameron” von Rebecca Keegan). Dort ist auch sehr ausführlich auf den Dreh von Titanic eingegangen worden. Natürlich kenne ich den Film noch von früher und die Untergangsszenen fand ich natürlich auch damals sehr klasse gemacht. Aber da Titanic im Kern eine Liebesgeschichte ist und ich ein unromantischer Klotz bin, hatte ich eher nicht das Verlangen zwischendurch, ihn mir nochmal anzuschauen. Da inzwischen aber einige Jahre vergangen sind und die DVD auf dem Wühltisch recht günstig war, habe ich ihn mir letzte Woche nochmal reingezogen.

Eine Bewertung fällt mir nach wie vor sehr schwer. Die Liebesgeschichte um Leonardo DiCaprio und Kate Winslet lässt mich nach wie vor eher kalt und den Untergang finde ich nach wie vor sehr eindrucksvoll. Da mir offenbar der emotionale Zugang zu dem Film versperrt ist, versuche ich mal einen eher rationalen. Da ist zum einen die Randgeschichte in heutiger Zeit um den Forscher, der am Wrack der Titanic den Diamanten sucht. Sie zeigt uns zum anderen, daß die Geschichte tief in der Realität verwurzelt ist und einen historischen Hintergrund hat und zeigt auch sehr eindrucksvoll reale Aufnahmen von der Titanic am Meeresgrund. Extrem toll finde ich die Übergänge von den Bildern vom Wrack zu denen des Titanic-Sets, wo die eigentliche Handlung in der Vergangenheit einsetzt. Die Geschichte von dem Unterklasse-Jungen, der eine Liebesgeschichte mit der Verlobten des Millionärs aus der Oberklasse anfängt ist plausibel dargestellt und gibt uns auch einen Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnnisse jener Zeit.

Charaktere sind gut ausgezeichnet und hervorragend besetzt. Nur Cal Hockley ist mir als Millionenerbe zu eindimensional gezeichnet und agiert auch nicht immer glaubwürdig. Dafür umso hervorragender ist die Charakterzeichnung und Darstellung von Cals Scherge (David Warner), Kapitän Smith (Bernard Hill) und Titanic-Konstrukteur Andrews (Victor Garber) gelungen. Die Hauptpersonen DiCaprio und Winslet liefern ebenso eine gute, in meinen Augen aber auch leicht naive Darstellung ab, was aber wohl auch gewollt ist.

Die Umsetzung des Films ist – wie bei Perfektionist James Cameron aber auch nicht anders zu erwarten war – technisch perfekt. Die Sets sind extrem gut gelungen, besonders in den Untergangsszenen. Vieles hier hat man ähnlich auch schon in Camerons “Abyss” gesehen, ist hier aber nochmal um eine Größenordnung gewaltiger. James Cameron macht aus Titanic aber keinen Effektporno, sondern benutzt diese Szenen treffsicher als Set für die einzelnen Schicksale. Die Menschen stehen immer im Vordergrund. Manchmal kann man nur noch ergriffen auf den Fernseher schauen, wie die Menschen sich in ihr Schicksal ergeben – oder eben nicht.

Der Film lässt sich sehr viel Zeit mit der Entwicklung der Handlung bis zur Kollision mit dem Eisberg. Aber das sorgt auch dafür, dass man tief in den Film einsteigt und fast schon vergisst, dass man ja eigentlich weiss, wie die Reise endet. Zumindest bis das dicke Ende kommt. Wie gesagt, mich lässt die Liebesgeschichte kalt. Mir wäre ein Ensemblefilm lieber gewesen, wo mehrere unterschiedliche Charaktere gleichberechtigt nebeneinander stehen. Aber das ist wohl eher subjektiv. Ergriffen hat mich eine Szene ganz am Schluss, als die ältere Rose in ihrem Bett liegt und die Kamera über die Fotos schwenkt, die auf ihrem Tisch stehen und ein reichhaltiges gut genutztes Leben vermuten lassen. Es lohnt sich immer, ums Leben zu kämpfen und das Leben – gerade wenn man es zum zweiten mal geschenkt bekommt – auch zu leben.

9 von 10

Eure Wertung:
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